Tierarztpraxis 2.0

Dr. Annalena Molitor im Gespräch über Trends und Perspektiven von Praxismanagement-Software

Frau Dr. Molitor, auf dem PIMS-Markt unterscheidet man zwischen server- und webbasierten Lösungen. Können Sie kurz die Unterschiede erläutern?

Die Unterschiede liegen in der jeweiligen Architektur. Bei serverbasierten Lösungen benötigt die Praxis einen zentralen Server, der in der Regel in den eigenen Räumlichkeiten steht und auf dem das Praxissoftware läuft sowie sämtliche Daten gespeichert werden. Voraussetzung hierfür ist die Anschaffung eines Servers sowie die Wartung und Datensicherung.  Webbasierte Lösungen sind dezentral organisiert. Das heißt, die webbasierten PIMS-Anbieter haben Serverkapazitäten in einem Rechenzentrum, installieren dort die Praxissoftware und ermöglichen den Kunden den Zugriff via Web auf die Funktionalitäten und die Daten ihrer Praxis. IDEXX Animana beispielsweise nutzt ein Rechenzentrum in Frankfurt. Voraussetzung für eine webbasierte Lösung ist eine Internetverbindung.
Genaugenommen gibt es noch eine dritte Form, die sogenannte Hybrid-Lösung, bei der mittels einer Remote-Software auf die server-basierte Software zugegriffen wird. Voraussetzung ist hier auch wieder die Anschaffung eines Servers. Hinzu kommen noch die Lizenzgebühren und die Wartung einer Remote-Software, um auf das Praxisprogramm zugreifen zu können sowie eine sehr stabile Internetverbindung.

Wie sicher sind die Praxisdaten, wenn sie im Web gespeichert sind?

Bei webbasierten Lösungen sind Daten viel sicherer als auf einem lokalen Server in einer tierärztlichen Praxis, wo es zu Diebstahl, Bränden, Überschwemmungen oder Überspannungen kommen kann.
Für die Übertragung der Daten werden Hochsicherheits-Verschlüsselungsprotokolle (https) mit einer 256-bit Verschlüsselung verwendet – diese kommen übrigens auch bei Banktransaktionen zum Einsatz. Das Rechenzentrum selbst setzt neueste Technologien bezüglich Datensicherheit, Virenschutz und Hackerangriffen ein.
Die Datenspeicherung erfolgt auf mehreren „gespiegelten“ Servern, damit auch bei einem eventuellen Zusammenbruch (z. B. Naturkatastrophen) eines Servers die Integrität der Daten sichergestellt ist.

Das Thema Datenschutz, Stichwort Datenschutz-Grundverordnung, ist momentan in aller Munde. Wie gehen webbasierte Lösungen mit dem Datenschutz um?

Der Umgang mit und die Verarbeitung von personenbezogenen Daten ist sehr wichtig und unterliegt der Datenschutzrichtlinie 95/46/EG des Europäischen Parlaments. Diese neue Verordnung 2016/679, allgemein bekannt als die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), tritt zum 25. Mai 2018 in Kraft. Wir von IDEXX Animana nehmen das Thema Datenschutz sehr ernst und erfüllen alle geltenden Datenschutzgesetze der EU.

Ihre Prognose bitte: Wie wird sich der PIMS-Markt in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Noch vor drei Jahren stieß ich mit dem Thema webbasierte Praxissoftware auf Widerstand bei deutschen Tierärzten. Heute hat sich die Akzeptanz deutlich gewandelt und der Trend geht mehr und mehr zu webbasierten Lösungen – wie in vielen Bereichen unseres Lebens. Gerade für Praxisneugründungen ist die Investition in eine Serverarchitektur
mit immensen Kosten verbunden. Aber auch für Tierarztpraxen mit einer lokalen Lösung kann ein Wechsel interessant sein. Es entfallen manuelle Updates, die von der eigentlichen tierärztlichen Arbeit abhalten sowie das hohe Risiko des totalen Datenverlustes und die hohen Wartungsgebühren.
Ich bin davon überzeugt, dass gerade diejenigen webbasierten Lösungen,
die anhand der Kundenbedürfnisse ihre Software weiterentwickeln, großes
Zukunftspotenzial haben.

Frau Dr. Molitor, vielen Dank für das Gespräch.